Dass China in der globalen Wirtschaft immer wichtiger werden wird, ist unumstritten und dass wir eine Partnerschaft mit den Ländern im Fernen Osten und Südosten brauchen, ist klar. Doch das rasante Wirtschaftswachstum verleitet die Schwellenländer dazu, dass diese Länder sich überschätzen und vielleicht auch ein fehlgeleitetes Selbstbewusstsein bekommen, das fast schon den Eindruck von Arroganz entstehen lässt. Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.
Der Klimagipfel von Kopenhagen hat gezeigt, dass die westliche Kultur zunehmend an globalem politischem und wirtschaftlichem Einfluss verliert. Das ist in erster Line eine Entwicklung, die sich schon vor Jahrzehnten angedeutet hat und die Gründe wurden in den Medien schon genug diskutiert. Generell kann ich auch nichts Schlechtes daran finden, denn eine florierende Weltwirtschaft nützt uns ebenfalls. Der relative Verlust von Macht ist für uns zwar auf den ersten Blick bedauerlich, aber grundsätzlich nur gerecht. Die Schwellenländer nehmen nun langsam den Platz in der Welt ein, der eher zu ihnen passt als die postkoloniale Ordnung.
Was mich mittlerweile nur wahnsinnig stört, ist die Arroganz mit der Indien und vor allem China auftreten. Hier geht es nicht mehr nur um die Wahrung ihrer Interessen, sondern häufig auch um die Düpierung des Westens. Wir sollten dem aber gelassen entgegentreten, auch wenn unser Wirtschaftswachstum, etc. nicht diese Wachstumsraten verbuchen kann. Unsere Systeme sind stabli, flexibel und bieten enormes langfristiges Potential. Hier liegt auch die Gefahr, die ich in dieser Arroganz der Schwellenländer sehe. Sie werden blind für die eigenen Schwächen und gerade China ist für mich ein Wackelkandidat. Die Systemfrage ist nicht geklärt und das Pro-Kopf-BIP zeigt, dass der größte Teil der Bevölkerung nicht vom schon etliche Jahrzehnte anhaltenden Wachstum fundamental profitiert. Zum Vergleich liegt der Pro-Kopf-BIP in der EU sieben mal höher. China ist zu großen Teilen ein rückständiges Land, das das Potential für schwere soziale Unruhen bereithält. Des Weiteren ist China de facto ein Vielvölkerstaat und die zunehmend überalterte Stammbevölkerung (Han-Chinesen) wird in Zukunft nicht mehr in der Lage sein, die wesentlich dynamischen Völker in China zu kontrollieren. Gerade die Uiguren zeigen regelmäßig, dass hier auch ein gewaltiges Konfliktpotential schlummert. Derzeit werden sie alle noch von den Früchten des Wachstums bei Laune gehalten, doch bekanntlich dauert kein Wachstum ewig und dann werden diese Probleme mit einer ungeheuren Wucht hervortreten.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Ausrichtung der chinesischen Wirtschaft. Trotz großer Bemühungen ist es noch nicht gelungen diese auf einen langfristigen Erfolg zu trimmen. Selbst massive staatliche Eingriffe haben hier nicht wirklich etwas geändert. Grundsätzlich wird die chinesische Wirtschaft immer noch von westlichen Konsumenten und Unternehmen angetrieben. Der Wissenstransfer (oder auch die massive Industriespionage) sind nur eine für uns ärgerliche aber zum Glück punktuelle Erscheinung. Grundsätzlich macht sich China schwer eigene Innovationen hervorzubringen. Noch sind sie Follower – keine Leader. Das ist mit Blick auf die Nachhaltigkeit ein Problem für China, denn wer soll die Unternehmen davon abhalten in ein paar Jahren einfach wo anders zu produzieren?
Dazu kommen dann noch die vielen negativen Nebenerscheinungen, die mit einem solchen Wirtschaftswachstum immer Hand in Hand gehen. Wenn so viel Kapital akkumuliert wird, bilden sich zwangsläufig Spekulationsblasen, wie sie derzeit auf dem Immobilienmarkt in den Städten Chinas vermutet werden. Wenn diese platzen, bedroht das den gesamten Finanzsektor, der zu großen Teilen dann das weitere Wachstum nicht mehr finanzieren könnte. Eine weitere negative Begleiterscheinung ist die gesellschaftliche Schichtung, die an die Frühphase des europäischen Kapitalismus erinnert und damit die ohnehin schon bestehenden sozialen Spannungen fördert.
Grundsätzlich ist es ja richtig, die eigenen Interessen zu vertreten, aber dennoch sollten wir gemeinsam an einer globalen Zukunft arbeiten. In diesem Kontext ist kein Platz für die Arroganz, wie wir sie in den letzten Jahren des Öfteren erlebt haben. Hochmut kommt vor dem Fall und bei einem Fall Chinas könnte das zur globalen Katastrophe auswachsen.
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